Vermutungen überprüfen



Wie stark gestützt sind die besagten Vermutungen über die Herkunft unseres Geschlechtes vor 1600?
Im Folgenden der aktuelle Stand unseres Wissens bzw. Unwissens.




Furtenbach-Bezug

Der Furtenbach-Bezug kann unter zwei Aspekten gesehen werden:
a) Schregenberger als Name eines Furtenbach'schen Dienstmannes in Düns
b) Schregenberger als Name eines illegitimen Furtenbach


zu a)
Elmar Schallert schrieb Otmar am 7.11.1971: "Gegen die von Ihnen mehrfach aufgeführte Überlieferung, der erste Schregenberger in Düns sei Jagdaufseher dort gewesen, muss ich schwere Bedenken anmelden, wenn ich auch die Quelle nicht kenne: Einmal im Hinblick auf die mündliche Tradition, die in diesem Fall bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurückreichen soll...? Zum zweiten ist das Gebiet der Gemeinde Düns so klein, dass es jagdlich vollkommen bedeutungslos ist."
Bedeutungslos? Nach Annelies Gantner-Dünser – ihr Vater Albert Dünser war lange Jahre Jagdaufseher in Düns –  wird das Jagdgebiet Düns von Unterländern immer noch geschätzt.


In diesem Zusammenhang ist zu bedenken:
- erst ab ca. 1730 stehen Schregenberger als Besitzer des alten Hausteils von Düns Haus 28 fest. Wir wissen nicht,
  wer zwischen 1505 und 1730 darin lebte, nur dass der westliche Hausteil 1706/1707 errichtet wurde
- da bereits 1600 zwei Hans Schregenberger in Düns nachweisbar sind, kann der von Julius als möglich erachtete
  Zuzug eines Furtenbach
um 1670 – nach dem Brand ihres Nofelser Ansitzes Schregenberg ([1], S. 41-44 –  unsere
  Herkunft nicht erklären
- wie schon erwähnt haben die Feldkirchner Furtenbach den Vulgonamen Schregenberger noch lange benutzt.

zu b)

Auf Otmar's Frage vom 17.07.1967 antwortete Nebinger: "Die Abstammung von den Furtenbach will ich nicht ausschliessen " (...) " Immerhin wäre es möglich, dass Zacharias v. F. (....) geb. etwa 1586/87, Heirat 1619, einen unehelichen Sohn gehabt haben könnte, der dann den Namen der väterlichen Besitzung Schregenberg getragen haben könnte".

Schon 1957 durchsuchte ich die Geschlechterfolge der Furtenbach [2], S. 333–347 nach potentiellen Grossvätern von Andreas Schregenberger (1625 – ?). Sein Vater Hans ist wohl zwischen 1580 und 1605 geboren worden. In dieser Zeitspanne gab es nebst dem von Nebinger erwähnten Zacharias fünf weitere Feldkirchner Furtenbach im Alter von 32 bis 52 Jahren. Illegitimer Nachwuchs in den Furtenbach-Familien könnte natürlich auch von anderen Vätern stammen.

Schregenberg-Bezug

Schregenberger kann wohl als Herkunftsname aufgefasst werden. Der Bezug zum nicht weit von Düns entfernten Schregenberg bei Nofels ist zwar plausibel, aber nicht zwingend, da es im deutschsprachigen Raum weitere Fluren mit ähnlichem Namen geben kann und insofern (nach [3], S. 85 ff.) Herkunftsnamen über die Jahrhunderte ausgesprochen instabil waren.

In diesem Zusammenhang ist zu bedenken:
- die uns bekannte Nofelser Geschichtsschreibung ( [1], S. 96 ff., Unsere Familien- und Hausnamen, sowie [4])
  kennt keine Schregenberger-Familien
- Nofels umfasste um 1700 bloss 24 Häuser ([4], S. 53)
- Nofels gehörte bis 1485 zur Grafschaft Schellenberg [5]

Vonbrül-Bezug

Im Brief vom 7.11.1971 an Otmar schrieb Elmar Schallert: "Die in der schatzmannischen Heimatkunde  erwähnte Sage vom Schregenberger Sepp hilft uns ebenfalls keinen Schritt weiter. Abgesehen von der sagenhaften Überlieferung ist eindeutig vermerkt, der Name des Mannes laute richtig Josef Vonbrül (ein heute noch existierendes Vorarlberger Geschlecht). Schregenberger war in diesem Fall nur sein Hausname (Sippenname oder Vulgoname), der allerorten in ländlichen Gegenden zur Unterscheidung gleichnamiger Familien verwendet wird. In unserem Beispiel verhält es sich so: Eine der ortsansässigen Familien Vonbrül wohnte am Schregenberg und wurde deshalb mit dem lokalen Attribut bedacht. Ein verwandtschaftlicher Zusammenhang zu einer Schregenberger-Familie wäre nur rein zufällig möglich."

Den Vonbrül-Bezug finden wir dennoch weiter prüfenswert. Es könnte z. B. ein mit dem Schregenberg verbundener Vonbrül den Vulgonamen Schregenberger ja auch erst im Jagdberggebiet als Familiennamen übernommen haben, um sich von bereits dort wohnenden Vonbrül zu unterscheiden.

Folgende Umstände sind zu berücksichtigen:

- Wir wissen nicht, wie alt die Sage vom Josef Vonbrül alias Schregenbergers Sepp ist und von welchem
   "G. B."  Schatzmann [1] sie erfuhr. War es (S. 112) Pfarrer Georg Büchel, oder Abt Georg Baumgartner?
 - die Sage erscheint nicht in den Standardwerken [6] und [7]
- in [1] finden wir unter Unsere Familien- und Hausnamen auf S. 100: "Vonbrül, Vonbrühl, vom oder von Brüel, Brüel;
   von einer Flurbezeichnung, wie die älteste Schreibweise dieses Namens andeutet. Die vorigen zwei Jahrhunderte
   in Nofels stark verbreitet. Heute lebt hier ein letzter Träger dieses Namens. 1692 "von Briel" in Nofels."
   Auf S. 105 wird unter den "vielen reinen Walsernamen" in Nofels und Umgebung auch "Vonbrül" aufgeführt.
   Wir bezweifeln aber, dass Vonbrül ein Walsername ist. Er erscheint weder in [11], [12] noch in [13]
 - die von Franz Rauch, Schlins, erstellte Stammtafel der Vonbrül reicht bis 1700 zurück. Markante Vonbrül-
   Persönlichkeiten (in diversen Schreibweisen, siehe oben) sind im Walgau aber schon seit dem 15. Jahrhundert
   nachweisbar
- nach [14] gab es 1770 in Düns und Satteins je eine, in Schnifis drei Vonbrül-Familien.


Stift Einsiedeln-Bezug

Die Probstei St. Gerold, als eine Aussenstation des Stiftes Einsiedeln, betreut seit dem frühen Mittelalter die Pfarrei Schnifis, welche früher auch Düns und Dünserberg umfasste [8], [9], [10]. Die Probstei besass im Jagdberggebiet viele Ländereien und betrieb in Schnifis einen grossen Hof.
Um Elmar Schallert's Vermutung zu überprüfen wollten wir wissen, ob in den Schnifis betreffenden, im Klosterarchiv Einsiedeln (KAE) liegenden Archivalien von St. Gerold ein Schregenberger oder ein Vonbrül auftritt.
Für diese ausgedehnte Spurensuche konnten wir glücklicherweise den Einsiedler Stiftsarchivar Pater Gregor Jäggi gewinnen. Pater Gregor hat letztes Jahr über 2000 Dokumentenseiten – primär Urbare der Probstei  St. Gerold – durchgesehen. Er begegnete darin leider keinem Schregenberger, aber mehreren Vonbrül.
Die Details erfahren wir nächstens.


Walser-Bezug

In der bisher gesichteten Literatur über die Walser im Vorarlberg sind wir keinem Schregenberger begegnet [11], [12]. Auch in der schweizerischen Walser-Literatur und div. Datenbanken fanden wir bis jetzt keine Vorfahren.
Übrigens ist nicht Düns, sondern das darüber gelegene Dünserberg eine Walsersiedlung. Bergmann vermerkt
auf  S. 46: " Die Dünser nannten und nennen noch die Bewohner des höher gelegenen Gebirgsabhanges, d. i. die Dünserberger, gemeiniglich die Berger geheissen, in ihrem Besserdünkel spottweise W a l s e r."
Magdalena Marte, die Mutter von Andreas (1624 – ?), entstammt allerdings einem Walsergeschlecht [11], S. 85.


Einwanderung von irgendwoher

Die Schreibweisen Sterenberger bzw. Schregenberger in den Pfarrbüchern von Schnifis für (gemäss Elmar Schallert) dasselbe Geschlecht, bewog mich 1972, meinen Kollegen Leo Stehrenberger, Wil/SG, damit zu konfrontieren. Stehrenberger wurden vor 1800 im Kanton Thurgau eingebürgert. Ihre Familienforschung gibt aber keine Hinweise auf irgendeine Verbindung unserer Geschlechter.


Ein N. Schrägenberger aus Näckershausen (heute Endigen-Neckarhausen im Bundesland Baden-Württenberg) erscheint in den Kirchenbüchern der Gemeinde Oberotterbach (Bundesland Rheinland-Pfalz) als Vater einer illegitimen Tochter Christina (gestorben am 15.2.1754). Als Mutter wird eine Juliana Midle, Clavinistin aus Niederhorbach (Bundesland Rheinland-Pfalz) erwähnt (www.genealogie-pirmasens.de/oberotterbach1.htm).



Literatur auf dieser Seite


[1]  Schatzmann, F. A. (1928) Heimatkunde der Altgemeinde Altenstadt. Nofels: Selbstverlag des Verfassers
[2]  Kammerer, J., Nebinger, G. (1955): Die schwäbischen Patriziergeschlechter Eberz und Furtenbach.
      Neustadt a. d. Aisch: Verlag Degener
[3]  Kunze, K. (2004) dtv Atlas Namenkunde. München: dtv
[4]  Fiel, K. (1987) Nofels – Geschichte eines Dorfes. Nofels: Selbstverlag des Verfassers
[5]  Tschaikner, M. (2014) Die Erwerbung der Schellenberger Orte Tisis, Tosters, Nofels und Bangs
      durch Österreich (1485)
. Bregenz: Vorarlberger Landesmuseumsverein, Jahrbuch 2014
[6]  Vonbun, F. J. (1858) Die Sagen Vorarlbergs. Innsbruck: Universität
[7]  Beitl, R. (1953/1982) Im Sagenwald. Neue Sagen aus Vorarlberg. Bregenz: Franz-Michael-Felder-Verein
[8]  Grabherr, J. (1897) Die reichsfreie Herrschaft St. Gerold.  Bregenz: Vorarlberger Museumsberichte
[9]  Ringholz, O. (Pater O.S.B.) (1904) Geschichte des fürstlichen Benediktinerstiftes Einsiedeln. I. Band.
      Einsiedeln: Benziger Verlag
[10] Henggeler, R. (Pater  OSB) (1961) Geschichte der stifteinsiedlischen Propstei St Gerold. In: Montfort 1961.
       Bregenz: Vorarlberger Landesarchiv
[11] Bergmann, J. (1844) Untersuchungen über die freien Walliser oder Walser in Graubünden und Vorarlberg.
[12] Zösmair, J. (1893) Die Ansiedlungen der Walser in der Herrschaft Feldkirch  1300 – 1450.
       Bregenz: Vorarlberger Landesmuseumsverein
[13] Familiennamenbuch der Schweiz
[14] Tschaikner, M., Statistische Angaben zu den Gemeinden des Gerichts Jagdberg aus dem Jahr 1770.
       In: Niederstätter, A., Tschaikner, M. (2007) Das Gericht Jagdberg – Von der Einrichtung 1319
        bis zur Aufhebung 1808.
 
Nenzing: ELEMENTA Walgau